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Diskussion: Wie sollen die Uni-Proteste weitergehen?

Christof
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Seit 22. Oktober werden die größten Hörsäle Österreichs besetzt. Mittlerweile beteiligen sich neben dem Audimax der Uni Wien und dem C1 am Universitätscampus der Uni Wien die Universitäten die Akademie der Bildenden Künste, an der die Proteste ihren Anfang nahmen, die BoKu Wien, die TU Wien, die WU Wien, die Uni Graz, die TU Graz, die Uni Innsbruck, die Uni Salzburg, zwischenzeitlich die Uni Linz und aus Solidarität auch viele Universitäten in Deutschland, der Schweiz, der USA und dem Rest der Welt. Österreichs Studierende streiken, von "lokalen Protesten", von denen Minister Hahn 23. Oktober noch gesprochen hat, ist nichts mehr zu bemerken.

Hier geht's zur Thema-Reportage über die Besetzungen.

An die 100 Arbeitsgruppen und ein Plenum arbeiten alleine an der Besetzung des Audimax der Uni Wien. Doch nicht nur die dezentralen Organisationsanstrengungen vor Ort sind mittlerweile unüberschaubar geworden, auch im Netz formiert sich die Generation 2.0 der protestierenden Studis. Die Facebook-Gruppe des Audimax hat 30.000 Fans, über einen Livestream kann man jederzeit die Diskussionen im Audimax verfolgen und es wird fleißig getwittert. Der Pressespiegel über die Besetzungen passt, ebenso wie die Solidaritätsbekundungen aus aller Welt, in kein Buch mehr. Die aktuelle http://www.zeit.de/2009/46/A-Studentendemo?page=1Zeit widmet den Besetzungen fast die gesamte Österreich-Ausgabe.

Was die Studierenden fordern, sind neben freiem Universitätszugang und besseren Studienbedingungen die Demokratisierung der Universitäten und das Ende jeglicher Diskriminierung auf den Unis. Nachzulesen sind die Forderungen im Detail hier. Ein Volksbegehren ist in Planung.

Hier gibt's ein weiteres Video, über die Forderungen der Besetzer/innen.

Aber auch der Widerstand unter den Studierenden gewinnt stetig an Fahrt. Weder stimmen die nämlich alle mit den Forderungen der demokratisch nicht legitimierten Besetzer/innen im Audimax überein, noch wollen alle die Form des Protests anerkennen. Von Sachbeschädigungen und Behinderung am Studium ist die Rede. Zwar scheint die studentische Opposition zu den Protesten - so wie übrigens auch die Parteipolitik sich großteils in Zurückhaltung übt - bisher eher ruhig zu bleiben, doch besonders im Internet wird die Unzufriedenheit deutlich.

Während der Chef der Rektorenkonferenz Badelt die Streitparteien an den Verhandlungstisch (den Minister Hahn bald in Richtung Brüssel verlassen wird) fordert, schießt die bisher eher hilflose Österreichische Hochschüler/innenschaft 100.000€ ins Budget der Besetzer/innen, der konservative Cartell-Verband schießt sich dagegen lieber auf die besetzenden Studierenden ein.

Was ist eure Meinung dazu? Wie soll es eurer Meinung nach weitergehen?

3 Kommentare


Die Uniproteste so toll ich sie heiße haben einen großen Nachteil: Die Art und Weise wie sie es angehen. Die Besetzungen kosten täglich mehrere tausende Euro. Es kann doch nicht sein, dass Leute mehr Geld für die Unis fordern und gleichzeitig die Unis um eben dieses bringen.
...auch den Spruch (den ich bereits einige Male vernommen habe) "Demokratie muss sich sowas leisten können" finde ich hier ein wenig fehl am Platz. Die Demokratie ja, die Unis nein! Und momentan kosten die Besetzungen (abgesehen von den Demos) nur den Unis Geld, und zwar nicht wenig.

Nicht dass man mich falsch versteht, ich bin selber schon im Bakkalaureat, habe nebenbei ein Diplomstudium laufen (gehabt), und finde das Bakk. schlimmstens verschult und in einigen (anderen) Studiengängen sogar unzumutbar mit den ganzen Knock-Out-Prüfungen als Ersatz für Zugangsbeschränkungen.
Mehr Geld für die Unis wäre fein, keine Frage! Aber ich glaube nicht, dass die Besetzungen (die eh im periodischen Rhythmus Mal wieder auftreten mussten) irgendetwas bewirken werden - außer Aufmerksamkeit und evtl. den Unmut der restlichen Bevölkerung.

Ich finde es sind Umstrukturierungen, und wenn möglich mehr Geld, wirklich wirklich nötig im Bildungssektor, aber Besetzungen sind da evtl. ein wenig falsch angelegt. Sie machen es einfacher die Studenten als chaotische linke Träumer darzustellen, die die Gelegenheit nützen um Mal so richtig auf "Revolution" zu machen und Partys im Hörsaal zu veranstalten.
Medienwirksam sind die Besetzungen, aber leider nicht ganz so wie sich das die Studenten gerne hätten. Auch ein Livestream wird das Image der "Blockierer" nicht so schnell aus den Köpfen der Leute wegkriegen, und bis dieses Bild nicht weg ist, gibt es auch einfach keinen Grund für die Politik mit den Studenten ernsthaft zu vehandeln.

Ich würde mir wünschen, dass starke Studienrichtungsvertretungen (und evtl. eine gestärktere ÖH) aus dem ganzen hervorgehen, die aktiv mit den Lehrenden zusammenarbeiten. Wenn genug Austausch da ist kann man, glaube ich, auch ohne Besetzung, eine Menge zum positiven ändern.

mfg, g.



Nachdem sich die ÖH als Studentenvertretung als absolut ungeeignet gezeigt hat, da sie nichts weiter als Ziehorganisationen der jeweiligen Parteien enthält, musste nun mal eben eine andere Form gefunden werden, um auf die Interessen der Studenten aufmerksam zu machen.
Wenn man mit der Form der Proteste unzufrieden ist, jedoch die dahinterstehenden Beweggründe gutheiißt, dann sollte man doch lieber einen Protest mit "falschen Mitteln" als gar keinen bevorzugen. Es mag sein, dass die Universität nun der doppelte Leidtragende ist, jedoch fehlen den Unis so viele Millionen Euro, dass die paar Tausend das Studieren nicht noch viel schlechter machen können.
Die Audi. Max. Besetzungen haben etwas erreicht, was seit Jahren einfach nicht mehr vorhanden war: Eine Fokussierung auf die Probleme der Universitäten. Es ist damit durch, und wenn es auch nur Party machen im Hörsaal ist (worauf man es ja nicht ausschließlich reduzieren kann), mehr erreicht worden, als in den letzten Jahren.
Deswegen lieber eine vielleicht nicht ganz zufriedenstellende Protestform mit öffentlicher Berichterstattung und Diskussion, als ein weiteres jahrelanges Dahinsiechen im Sumpf des überlaufenenen und totgesparten Studienalltags!



Mangel an Geld für die Unis – das ist ein Problem in meisten europäischen Ländern.
Aber viele Forderungen von Audimaxbesetzer sind absurd.

Kein Staat hat Geld um allen, die studieren wollen, das Studium zu finanzieren. Außerdem, gäbe es keine Selektion, wäre das Studienniveau niedriger. Um zu studieren muss man immer Grundlagen aus der Schule haben.
Wenn man Personen aus den ökonomisch und kulturell benachteiligten und marginalisierten Milieus helfen will, müssen entsprechende Programmen früher eingeführt werden! Schon in der Volksschule. Wenn Leute 18 alt sind, ist es meiner Meinung nach oft zu spät, weil sie nicht genug kulturelles Kapital haben, um gute StudentInnen zu sein.

Kampf gegen die Klischees von „weiblichen“ und „männlichen“ Studiengänge ist total wichtig, aber es soll durch Informationskampagnen und richtige Behandlung der Lehrer in der Schule erreicht werden. 50% Geschlechter Quote? Das ist nicht gerecht. Die Besten sollen die Studienplätze bekommen.

Last but not least, war ich schockiert von dem Vandalismus an der Uni. Wie kann man die Wände in so einem historischen Gebäude mit kindischem Graffiti beschmieren?


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